Förderverein Jugend- & Schullandheim Pelzerhaken

Pressemitteilung zur Schließung des Schullandheims

Göttingen, 09.02.07

Am Montag, den 05.02.2007 hat die Verwaltung des Landkreises Göttingen offiziell bekannt gegeben, dass das Schullandheim Pelzerhaken entgegen der Aussagen in der Kreistagssitzung vom 13.12. im Jahr 2007 nicht mehr für den Betrieb geöffnet wird. Gespräche mit potentiellen "professionellen" Betreibern seien nicht erfolgreich verlaufen, nachdem der Verkauf der Einrichtung beschlossen wurde.

Der Förderverein für das Jugend- & Schullandheim Pelzerhaken erklärt dazu folgendes:

Wir sind über diese Entwicklung äußerst verwundert und im besonderen Maße über das Verhalten der Bovender Kreistagsabgeordneten Dr. Harald Noack und Harm Adam (CDU) irritiert. Beide Herren haben auf mehrfache Nachfrage noch im Dezember zugesagt, dass das Heim im Jahr 2007 auf jeden Fall geöffnet bleibt. Das Vertrauen in diese Aussagen bezahlen nun die Organisatoren von Schul- und Jugendfahrten mit der Absage solch wichtiger Maßnahmen. Damit erreicht die traurige Geschichte der mutwilligen Zerstörung des Schullandheims einen erneuten Tiefpunkt.

Zum wiederholten Male wird eine Entscheidung zum Thema Pelzerhaken mit Zahlen belegt, die in der vorgelegten Zusammenstellung nicht korrekt sind und ein völlig falsches Bild vermitteln. Der Landkreis nennt einen Zuschussbedarf in Höhe von ca. 400.000,-€ bei den zurzeit vorliegenden 12.500 Übernachtungen im Jahr 2007. Diese Summe resultiert aus den fixen Personal- und Bauerhaltungskosten, den variablen Betriebskosten sowie den fixen kalkulatorischen Kosten für Abschreibung und Verzinsung des Anlagekapitals. Fast alle angeführten Kosten sind also fixe Kosten, die unabhängig von der Belegung des Heims entstehen, während im Falle der Fortführung des Betriebes die Erträge aus den Übernachtungen die genannten variablen Kosten decken würden. Das bedeutet, dass dem Landkreis unabhängig von einer Belegung des Schullandheims im Jahr 2007 Kosten in Höhe von ca. 400.000,-€ entstehen und das Argument der Kosteneinsparung durch die Schließung schlicht und ergreifend falsch ist!

Das Vorgehen des Landkreises in der Verkaufssache Pelzerhaken erfolgte in einer derart laienhaften Art und Weise, wie es angesichts der vermeintlichen Kompetenz der handelnden Personen kaum möglich erscheint. Für den Erfolg des Verkaufsgeschäfts ist man nun auf die Zustimmung der Stadt Neustadt angewiesen, deren Vertreter in persönlichen Gesprächen mit dem Förderverein signalisiert haben, dass man mit der bisher herrschenden Situation ganz zufrieden war und eine Entscheidung über eine andere Nutzung ganz alleine nach eigenen Interessen treffen werde. Aus dem Umfeld des Investors, dem schwedischen Baukonzern NCC, sind mittlerweile zögernde Äußerungen zu hören. Angesichts dessen drohen der Verkauf und die angebliche Entlastung des Landkreishaushaltes wie eine Seifenblase zu zerplatzen. Also wird nun versucht, Druck auf die Stadt Neustadt auszuüben, um angesichts einer leer stehenden Immobilie in der Ortsmitte von Pelzerhaken eine schnelle Änderung des Bebauungsplans zu erreichen. Was aber, wenn der Investor auf seiner Forderung nach einem Gutachten über die Bodenqualität besteht, weil es sich bei dem Grundstück um einen ehemaligen Militärflughafen handelt? Was aber, wenn NCC seine Ablehnung zu der Zahlung der Straßenerschließungskosten durchsetzt? Dem Landkreis drohen in dieser Angelegenheit zusätzliche Kosten, die den am Ende übrig bleibenden Erlös des Geschäfts um ein Vielfaches mindern.

Es wird deutlich, dass die Abwicklung des Schullandheims von langer Hand geplant und ohne Beachtung von kostenneutralen Alternativen vorangetrieben wurde. Wie sonst ist zu erklären, dass ein Angebot der zum Zweck der Betriebsfortführung gegründeten "ACTIO PH gGmbH" nicht ernsthaft geprüft und kein Gespräch mit den Verantwortlichen gesucht wurde? Das Angebot besagte, dass der Landkreis ab 01.03.2007 von sämtlichen Kosten für das Heim freigestellt wird und hätte so zu einer deutlichen Kosteneinsparung auf der Seite des Landkreises geführt. Die hier an den Tag gelegte Vorgehensweise ist ein Faustschlag in das Gesicht der sich engagierenden Bürgerinnen und Bürger!

Es wird auch deutlich, mit welch arroganter Vorgehensweise die Entscheidungsträger im Kreishaus in einer strittigen Situation agieren. Respekt der anderen Meinung scheint für die zuständigen Herren, allen voran Landrat Schermann, ein Fremdwort zu sein, und das macht angesichts der heutigen gesellschaftlichen Problematiken Angst. Mag das Schullandheim in Pelzerhaken jetzt erst einmal geschlossen bleiben, Verträge sind damit noch nicht unterschrieben. Hoffen wir für uns alle, dass am Ende eine vernünftige und dem Anspruch der Kostensenkung entsprechende Lösung entsteht - der Förderverein ist nach wie vor dazu bereit, bei der Erreichung dieses Ziels mitzuwirken.